Gesellschaft & Leben / Kursdetails

R00005 "Die Stille schreit" Dokumentarfilm von Josef Pröll unter Mitarbeit von Miriam Friedmann

Beginn Di., 14.05.2019, 19:00 - 20:30 Uhr
Kursgebühr 3,00 €
Dauer 1 x
Kursleitung Josef Pröll

Der Film erzählt die Geschichte zweier Augsburger Industriellenfamilien. Sie sind vor 1933 angesehene Geschäftsleute und weit über Augsburg und Schwaben hinaus bekannt. Durch die "Arisierung" jüdischen Besitzes werden sie gezwungen ihre Firmen und die wertvollen Immobilien zu verkaufen. Geradezu "sachlich" und ohne "erhobenen Zeigefinger" zeigt der Film auf wie perfide das System arbeitet, welche Behörden verstrickt sind und wie die meisten Menschen sich, wie selbstverständlich, am jüdischen Besitz bereichern. Die Namen sind beliebig austauschbar. Tausendfach hat es solche Schicksale gegeben. Eine unglaublich spannende und emotionale Geschichte deren Auswirkungen bis in die heutige Zeit reichen. Der Film lässt Fragen aufkommen, die leider auch für unsere Gesellschaft wieder von Bedeutung sind.
Die Protagonistin, Miriam Friedmann, kommt im Jahre 2001 nach Augsburg, woher ihre jüdische Familie
stammt, von der ein großer Teil in der Shoah ums Leben kam. Die Eltern mitsamt ihren Geschwister
konnten unter schwierigen Umständen fliehen. Sie ist in den USA geboren und aufgewachsen. Nach 21
Jahren in den USA kehren die Eltern wieder nach Deutschland zurück. Als die Eltern alt und hilfsbedürftig
werden, pflegen sie und ihr Ehemann, der deutsche Arzt Friedhelm Katzenmeier, ihre Eltern bis zum Ende
ihres Lebens. Seit sie in Deutschland lebt beginnt sie zusammen mit ihrem Mann eine "Spurensuche" über
die Geschichte ihrer Familie, die bis heute anhält.
Miriam Friedmann berichtet von der Geschichte ihrer Großeltern Friedmann, die sich zusammen mit drei
befreundeten Ehepaaren am Abend vor der Deportation das Leben nehmen und über ihre Großeltern
Oberdorfer, die deportiert und in Auschwitz ermordet wurden. Beide Familien sind bis dahin angesehene,
jüdische Geschäftsleute in Augsburg.
Durch den Terror der Nationalsozialisten werden beide Familienunternehmen und Wohnungen "arisiert".
Ihr Besitz wird zugunsten von "Nichtjuden" zwangsenteignet. Miriam Friedmann sammelt viele
Zeitdokumente und nimmt Kontakt zu den heutigen "Besitzern" der Immobilien auf. Dabei ergeben sich
viele, heute noch offene Fragen. Der lebendige Bericht wird mit vielen Originaldokumenten und Bildern
illustriert. Originalschauplätze in Augsburg und Umgebung vermitteln dem Betrachter Nähe, auch zu weit
zurückliegender Geschichte.
Es ist nicht die Aufgabe des Films bei den Zuschauer*innen "Schuldgefühle" zu wecken, aber die Selbstverständlichkeit mit der solche, höchst unmenschliche, ja mörderische Handlungen seinerzeit möglich und alltäglich wurden, soll nachdenklich machen. In einer anschließenden Gesprächsrunde ist Zeit zum Austausch und für Fragen mit/an Frau Friedmann und dem Regisseur.





Termine

Datum
14.05.2019
Uhrzeit
19:00 - 20:30 Uhr
Ort
Friedberg; Mittelschule; Mensa